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VHS Programm

Küchenkunst und Brückenbau

Mit großem Engagement haben jetzt 20 junge Frauen und Männer in der Volkshochschule von Kultur123 ihre Projektprüfung für den Hauptschulabschluss absolviert. Sie nehme an der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) teil, welche die vhs im Auftrag der Arbeitsagentur seit vielen Jahren erfolgreich ausrichtet. Im Sommer beginnt erstmals der neue Hauptschulkurs mit dem Schwerpunkt Pflege.

Vielfalt duftet und schmeckt richtig gut. Das haben jetzt Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) der Volkshochschule von Kultur123 Stadt Rüsselsheim gezeigt. Denn bei den Projektprüfungen für den Hauptschulabschluss fanden sich 2017 wieder zahlreiche Themen rund um Küche und kulinarische Kultur. In der Lehrküche der Albrecht-Dürer-Schule wurden die Themen praktisch umgesetzt.

„Die Projektprüfungen bestehen aus der Vorbereitung eines Themas, seiner praktischen Erarbeitung und der anschließenden Präsentation der Ergebnisse“, erklärt Catrin Metzger, die bei der Volkshochschule für die Durchführung der Hauptschulabschlussprüfungen verantwortlich ist. Die Noten der Projektprüfungen fließen zusammen mit den Ergebnissen der schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen der Fächer Mathematik, Deutsch, Physik und Gesellschaftslehre in die Gesamtnote des Hauptschulabschlusses ein.

„Auf den Hauptschulabschluss bereiten sich in diesem Jahr wieder 20Teilnehmerinnen und Teilnehmer der BvB vor“, sagt Catrin Metzger.

Nach einer Einführung von Ausbilder Michael Migenda, machten sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ans Werk. Wie vielfältig die gewählten Themen waren, zeigten schon die Orte, an denen sie sich auf die Projektprüfung vorbereiteten: Neben der Lehrküche der Dürer-Schule waren das die Werkstatt im Bildungszentrum Kürbisstraße und das Bildungszentrum im Opel-Altwerk mit EDV- und Unterrichtsräumen.

„Die Jugendlichen erarbeiten sich die Themen und die Präsentation selbst“, erklärt Catrin Metzger. Anregungen dazu holten sie sich aus dem Internet und aus Büchern, aber auch aus der eigenen Familie. Das zeigte sich besonders deutlich bei den kulinarischen Themen, die von Brot und deftigen Reisgerichten bis zur türkischen Kaffeekultur und Chocolaterie reichten:

Derya Öner beschäftigte sich mit dem Thema der türkischen Kaffeekultur.

Derya Öner beispielsweise hatte sich intensiv mit dem Thema der türkischen Kaffeekultur auseinandergesetzt. „Informationen dazu fand ich auch im Internet — gerade was die Geschichte seit dem osmanischen Reich angeht. Aber ich habe auch von meiner Familie viele gute Anregungen bekommen, unter anderem alte Rezepte“. Auch Adelin Dobrin, der das Thema Brot gewählt hatte, bekam von seiner Mutter gute Tipps, wie man ein frisches Weizenbrot backt. „Das Brot, das ich in der Prüfung vorstellen werde, habe ich selbst gebacken“, sagt der junge Mann stolz und zeigt auf seinem Handy die vorher-nachher-Fotos von gegangenem Teig und knusprig gebackenem Brotlaib.

Die Kunst der Chocolaterie hatte sich Joanna Popielarz als Thema ausgewählt. Sie stellte feine Pralinen aus Schokolade her. Das tradionelle pakistanische Reisgericht Biryani gehörte zum Projekt, das Sarah Mubashar für die Prüfung vorbereitete. Und mit einer deftigen Spezialität — gefüllten Weinblättern — rundete auch Derya Öner ihr Thema ab. Aber nicht immer muss ein Thema in der Biografie der eigenen Geschichte gründen: Labeeqa Naveed stammt aus Pakistan. Für ihre Projektprüfung hat sich aber mit italienischen Nudeln beschäftigt.

Die Hauptschulabschlüsse sind nur eines der vielen Erfolgsthemen im Rahmen der BvB, sagt Projektleiter Michael Scholz-Woywodt: Im Rahmen der Kurse qualifizieren sich die jungen Menschen für eine Ausbildung, entdecken ihre individuellen Talente und entwickeln diese weiter. Die BvB dauert zehn bis zwölf Monate und wird von der Agentur für Arbeit finanziert. Bei deren Berufsberatung können sich junge Menschen im Alter bis 25 Jahren auch für die BvB anmelden. Ein Einstieg ist bei freien Plätzen jederzeit möglich.

„Das BvB-Programm leistet einen wichtigen Beitrag für Qualifikation und Berufseinstieg junger Frauen und Männer — das ist ein sehr guter Baustein für die Zukunft“, freut sich Eckhard Kunze, Leiter Gesamtbetrieb von Kultur123. „Diese Erfolgsgeschichte hat aber auch eine exzellente Tradition. Denn schon sehr drei Jahrzehnten engagiert sich die Rüsselsheimer Volkshochschule in diesem Projekt und seinen Vorgängern“, ergänzt Kunze.

Talente entdecken, Perspektiven schaffen: Wie gut das die BvB leisten, zeigten in diesem Jahr auch die Projektprüfungen, auf die sich Teilnehmer in der Werkstatt des Bildungszentrums Kürbisstraße vorbereiteten. Die legendäre Da-Vinci-Brücke hatte sich Luan Alitaj zum Thema gewählt. Die Balken der selbsttragenden Leichtbau-Konstruktion, die ganz ohne Schraubverbindungen auskommt, sägte er selbst zurecht. „Die Idee von Da Vinci, eine so genial einfache Brücke zu bauen, hat mich fasziniert. Das spannende ist jetzt, die Informationen und Baupläne im Modell umzusetzen“, sagte der junge Mann. Auch Serhat Sözer hatte sich für sein Projekt ein Modell ausgesucht. Allerdings zeigte die Miniatur kein Bauwerk, sondern stellte die Plattentektonik der Erde dar — und machte so deutlich, wie Erdbeben entstehen. Dabei simulieren Dotzbälle aus Gummi und Gummibänder die Dynamik des vermeintlich festen Erdbodens. „Wenn das alles zu schwingen beginnt, dann fallen die Häuser auf der oberen Platte um“, erklärte Serhat Sözer die Funktion.

Zu den weiteren Themen für die Projektprüfungen 2017 gehörten auch Geschichte, Geografie und Kunst. Mit den Werken des italienischen Künstlers Raffael setzte sich Dennis Emre auseinander. Den Meister der italienischen Renaissance kennt der junge Mann aus Büchern mit Raffaels Werken. Diese Vorbilder setzt er selbst in seinen Arbeiten um. „Ich arbeite mit Bleistift und Filzstift“, erklärt Dennis Emre seine Technik. Die Entstehung der Blätter dokumentierte er genau.

Die Freude, mit dem die jungen Frauen und Männer an ihren praktischen Projektprüfungen und an der Präsentation (digital oder als Plakat auf Papier) arbeiteten, war groß. Das vorbildliche Engagement spiegelt sich auch insgesamt in den Ergebnissen der BvB wider, sagt Michael Scholz-Woywodt: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die den Kurs engagiert besuchen, hätten eine sehr gute Anschlussperspektive. Derzeit nehmen 95 Frauen und Männer an dem Angebot teil.

Das Programm der Volkshochschule im Bereich Berufsvorbereitung wird kontinuierlich ausgebaut. Dafür steht insbesondere der neue Hauptschulkurs mit dem Schwerpunkt Pflege, der in diesem Sommer beginnt: Hier bereiten sich junge Menschen gezielt auf den Beginn einer Berufsausbildung an der Pflegeakademie Ruh in Nauheim vor. „Der Kurs ist bereits zertifiziert — im Sommer kann der erste Jahrgang starten“, freut sich Catrin Metzger.

Bildunterschrift: Derya Öner beschäftigte sich mit dem Thema der türkischen Kaffeekultur.