Kalender
« » Oktober
VHS Programm

PDF / e-Paper

In diesen Auslagestellen können Sie sich das vhs Programm nach Hause holen

mehr

Herzlichen Glückwunsch, Herr Vogel!

Jubiläum Rudolf Vogel | Foto: Kultur123

„Welcome to an inspiring evening“: Wenn Rudolf Vogel seinen Volkshochschulkurs „Friends of the English Language“ im Landrat-Harth-Heim begrüßt, liegt die Begeisterung in der Luft. Menschen zu inspirieren, ihre Faszination an Sprache zu wecken, das liegt dem 1938 geborenen Pädagogen im Blut. Und diese Leidenschaft hat er nicht nur in seiner Laufbahn als Lehrer weitergegeben. Sondern seit exakt einem halben Jahrhundert profitieren davon auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Kursen der Volkshochschule Rüsselsheim.

Es war am Abend des 26. September 1967, als der junge Gymnasiallehrer seine erste Unterrichtseinheit anbot. „Ein Kurs in englischer Sprache für Fortgeschrittene“, sagt Vogel und zeigt den Eintrag in seinem grün gebundenen Philologenkalender des damaligen Unterrichtsjahres. Säuberlich steht der Kurs dort mit Bleistift eingetragen. Unterrichtsort war die Gerhart-Hauptmann-Schule.

„Dass einer unserer Dozenten seit 50 Jahren kontinuierlich an der vhs wirkt, ist die absolute Ausnahme. Herrn Vogel gilt unser Dank und unsere Anerkennung“, meint Herr Bürgermeister Dennis Grieser und lies es sich nicht nehmen, dem Jubilar am 26.September in seinem Englischkurs persönlich zu gratulieren. „Über die einzigartige Kontinuität des Wirkens von Herrn Vogel an der vhs sind wir sehr glücklich — und auch ein bisschen stolz“, bekräftigt Eckhard Kunze, Leiter Gesamtbetrieb von Kultur123 Stadt Rüsselsheim.

Als er 1967 seine Tätigkeit bei der vhs Rüsselsheim aufnahm, war die Opelstadt schon zwei Jahre lang auch die hauptberufliche Wirkungsstätte von Rudolf Vogel: 1938 geboren in Bad König im Odenwald, Abitur in Michelstadt, dann das Studium an der Goethe-Universität in Frankfurt: Englisch und Französisch für das Lehramt an Gymnasien. Die Liebe zur englischen Sprache vertiefte sich in dieser Zeit nicht zuletzt durch die Tätigkeit als Assistent für den Deutschunterricht an einer Grammar School in London von 1960 bis 1961.

Nach Heirat und Referendariat begann Rudolf Vogel schließlich als Assessor seine Laufbahn am damaligen Hessenkolleg im Landrat-Harth-Heim. „In dem kleinen Leitungsteam übernahm ich die Aufgabe des Wohnheimleiters, war also für die Organisation des Kollegs verantwortlich“, erinnert sich der 79 Jahre Lehrer aus Leidenschaft. Von den vielen erfolgreichen Berufsbiografien erzählt er, die hier ihren Ausgang nahmen — aber auch von schönen Festen im Garten.

„Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich mein 50-jähriges Volkshochschule-Jubiläum mit meinem Lieblingskurs ausgerechnet im Landrat-Harth-Heim feiern kann. Denn das ist einfach ein herrliches Gebäude“ sagt Vogel über den Bau, der mittlerweile von der Volkshochschule genutzt wird und in dem seit zwei Jahren der Kurs „Friends of the English Language stattfindet“.

Erste Erfahrungen in der Erwachsenenbildung machte Vogel schon als Jugendlicher: Mit 16 Jahren begann er, in seiner Heimatstadt Stenografie zu unterrichten. Später dann, während des Referendariates in Frankfurt, begann er mit dem Unterricht an der dortigen vhs. Das war für ihn ein Glücksfall, sagt Vogel im Rückblick: „In dieser Zeit, besonders aber in Rüsselsheim haben sich meine Tätigkeiten an der Volkshochschule und in der Schule immer gegenseitig befruchtet. So konnte ich gerade für die Erwachsenenbildung am Hessenkolleg viele Impulse aus der vhs aufnehmen“.

An die Verwaltung der damaligen Rüsselsheimer Volkshochschule hat Vogel lebendige, gute Erinnerungen. Diese bestand seinerzeit aus dem Ersten Stadtrat August Schilling und seiner Sekretärin. Der schmalen Personalausstattung entsprach auch der Umfang des Kollegiums: Eine einzige Sprachdozentin unterrichtete nicht nur Englisch, sondern auch Französisch und Russisch. Mit dem Einstieg von Rudolf Vogel in das Kollegium hatte sich also die Anzahl der Fremdsprachen-Dozenten auf einen Schlag glatt verdoppelt!

Später begleitete der Pädagoge das Wachsen der Fremdsprachen an der vhs als nebenamtlicher Leiter des Fachbereichs. Als er das Amt aufgab, waren es schon 30 Dozentinnen und Dozenten. „Und wenn ich heute sehe, wie vielfältig und gut aufgestellt das Sprachenangebot an der Volkshochschule von Kultur123 Stadt Rüsselsheim ist, dann freue ich mich immer sehr“, sagt Vogel.

Maßstäbe gesetzt hat der Englisch-Lehrer auch mit einem besonders langlebigen Unterrichtsformat: Sein Kurs „Friends of the English Language“ feiert in diesem vhs-Unterrichtsjahr bereits sein 30-jähriges Bestehen. „Das ist schon so etwas wie mein Markenzeichen geworden“, lacht Rudolf Vogel. Den Kurs führte der mit seiner Familie in Trebur lebende Studiendirektor auch weiter, nachdem das Hessenkolleg in Rüsselsheim 1995 geschlossen wurde und er eine neue Stelle am Gymnasium in Gernsheim antrat.

Die Grundidee des Kurses ist es, durch vielfältige Konversation über aktuelle Themen des Alltags die sprachlichen Fähigkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu fördern. Dazu gehören bis heute immer auch Besuche englischsprachiger Bühnenaufführungen im Theater Rüsselsheim und in Frankfurt. Doch auch weiter weg trieb es den Kurs bereits: Studienreisen führten früh nach London, später auch Schottland und Irland, ja bis nach Malta.

Konversation heißt dabei aber nicht, dass man einfach nur belanglos plaudert. „Ich habe mich immer als einen politischen Lehrer verstanden,“ sagt Vogel. Politisch, das heißt für ihn, andere Menschen für die aufmerksame und wache Auseinandersetzung mit Themen der Politik, Zeit-, Kultur- und Sozialgeschichte anzuregen. Dazu kann auch ein Theaterbesuch dienen, betont der Jubilar: Demnächst steht eine Aufführung des „Pygmalion“ von George Bernard Shaw auf dem Programm des Kurses: Ein Stück mit politischer Sprengkraft, weil es sich mit der Rolle der Sprache in der britischen Klassengesellschaft beschäftigt.

Die „Friends of the English Language“ haben derzeit 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, der Altersdurchschnitt liegt zwischen 50 und 80 Jahren. Viele sind schon lange dabei, eine Dame fast seit Beginn des Kurses. Die Vielfalt der Themen begeistert den Kurs ebenso wie die lockere Atmosphäre. Bei einer Sache allerdings macht Rudolf Vogel keine Kompromisse: „Entscheidend ist, dass wir 90 Minuten lang zu 99 Prozent Englisch sprechen“.